Das Projekt

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Das Projekt

Wir werden in einem Teil des im Rückbau befindlichen Plattenbaugebietes „Quartier 4.4“ in Wolfen-Nord ein ökologisches Stadtteilprojekt aufbauen, in dem bisherige Konzepte von Gesellschaft und Stadt weiter entwickelt werden. Diese Idee eines »Dorfes« soll Platz bieten für Freiräume, Leben in allen Generationen – von Waldkindergarten bis zur Altenpflege, von Biobauernhof bis IT-Büro, von der Arztpraxis bis zum Baubetrieb. Die wie an anderen Orten dorfähnliche Gemeinschaftsstruktur (z.B.: Ökodorf SiebenlindenSchloss TempelhofHeilhaus Kassel) wird über die nächsten 2 Jahre in regelmäßigen Gemeinschaftswochenenden im Christophorushaus (CHH) konzeptuell, planerisch und praktisch verwirklicht, um eine Wohn-, Lebens- und Arbeitsstätte für mehr als 200 Menschen zu schaffen. In diesem Prozess werden wir erste Kulturveranstaltungen und Seminare ermöglichen, um zum einen die Verbindung zur Stadt zu vertiefen und zum anderen das Wissen und die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu nähren und zu feiern. In diesem Zeitraum entwickeln wir das Konzept und die Gründungsgruppe. Eine Besonderheit an dieser Idee ist, diese Mischung aus Dorf und Stadt als Experimentierfeld zu nutzen, um die Vorteile beider Konzepte zu verbinden und die Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu fördern, wie in der Ur-Transitiontown Totnes. Das erhoffte Ergebnis wäre eine Gemeinschaft, die wunderbar für das Wohl der einzelnen Mitglieder sorgen kann und seiner regionalen bis zur globalen Verantwortung gerecht wird.

Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe, die sich um die Idee, ein Ökodorf in Wolfen-Nord aufzubauen, gegründet hat. Wir sind 10 aktiv Organisierende (mit 9 Kindern), ca. 20 konkreter Interessierte und ein weiterer Kreis an Unterstützern des Projektes. Wir stehen mitten im Leben und haben eine Sehnsucht nach einem enkeltauglicheren Lebensstil. Noch wohnen wir in Leipzig, Halle und Wolfen verteilt.

Was stellen wir uns unter einem Ökodorf vor?

Ein Ökodorf ist eine gewachsene Lebensgemeinschaft, in der alle Bewohner auf den Ebenen der Ökologie, Wirtschaft, Kultur und des Sozialen bewusst mitgestalten und zur Verbesserung der Lebensqualität und des Lebensraums inklusive der Regeneration der Biosphäre beitragen. Dieses zivilgesellschaftliche Labor der Zukunft ist Inspiration für die Region und entwickelt lokale Lösungen für unsere globalen Herausforderungen, wie z.B. die Vereinzelung, den Klimawandel, die Schere zwischen Arm und Reich. Die nötigen Techniken und Methoden sind größtenteils entwickelt, brauchen aber eine gemeinsame Ausrichtung von Herz und Verstand auf bedürfnisorientierte Lösungen und nicht auf gemeinsame Feindbilder oder Angstprojektionen. In diesem Feld ergeben sich Heilungschancen für die gesellschaftlichen und individuellen Wunden der Vergangenheit.
Dieses Dorf ist eingebunden in eine Gemeinschaft der Gemeinschaften, wie sie das Global Ecovillage Network – GEN (Globales Ökodorf Netzwerk) aufbaut. Diese Vernetzung ist nötig, um Machtpolitik und Lobbyismus durch Kooperation zu ersetzen.

Konkreter:

Organisation

Soziokratie ist eine Methode der Organisationsentwicklung. Im Kern geht es um bedürfnisorientierte* und konsensuale* Entscheidungsfindung und Einbeziehung der Weisheit der ganzen Gruppe. Sie vermeidet Diskussionen, die polarisieren und Entweder-Oder-Situation erzeugen. Statt dessen wird darauf gesetzt, kooperative Lösungen zu finden, in denen scheinbare Widersprüche nebeneinander gestellt werden, um ein vollständiges Bild des Problems aufzuzeigen und eine umfassende Lösung zu ermöglichen. Dabei ist es wichtig, jeden zu hören, sei es im Plenum für die Grundsatzentscheidungen oder in den Arbeitsgruppen für die konkreten, praktischen Lösungen. Diese Methode führt mit jedem Win-Win zu wachsendem Vertrauen.
Derzeit sind wir als gemeinnütziger Verein organisiert, der durch Fördermitglieder unterstützt wird. Mit dem geplanten ersten Hauskauf im Sommer 2017 werden wir eine Genossenschaft oder eine vergleichbare Rechtsform gründen. Dabei sind wir auf die Hilfe aus verschiedenen Quellen angewiesen, gern auch jetzt schon durch ihre Spenden. Später werden wir eine eigene Stiftung aufbauen oder mit einer bestehenden enger zusammenarbeiten.

Ökologie:

Ganz im Sinne der Permakultur wollen wir ein Biotop aufbauen, in dem Menschen und andere Lebewesen in naturnahen Kreisläufen Diversität und Wiederstandskraft entwickeln. Wir wollen unseren Konsum von Gütern und Ressourcen an ökologischen Standards ausrichten. Wir werden schrittweise die Selbstversorgung mit Lebensmitteln und Energie aufbauen bzw. ökologisch einkaufen. Wir werden mit dem Aufbau eines Stadtgartens noch 2017 beginnen, der später durch landwirtschaftliche Betriebe ergänzt werden wird. Diese werden mit Methoden wie Terra Preta nicht nur die Bodenfruchtbarkeit verbessern, sondern helfen unsere CO2-Bilanz zu minimieren. Unsere Energie soll aus regenerativen Energiequellen kommen und über Photovoltaik, Sonnenwärmekollektoren, Windräder, nachhaltige Waldnutzung und weitere, über die Zeit zu entwickelnde Methoden bezogen werden. Unsere Energieeffizienz wollen wir durch gemeinsame Nutzung technischer Geräte, wie Autos und Waschmaschinen, durch den Bau von Passivhäusern und andere kreative Lösungen steigern.

Wirtschaft:

Unsere Ausrichtung orientiert sich an Prinzipien die Beziehungen gelingen lassen, wie Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende Beziehungen das, was Menschen am stärksten motiviert und am glücklichsten macht. Das Maß, in dem wir uns auf eine wirkliche gemeinsame Ökonomie einlassen, wird noch geklärt werden.

Wir wollen vor Ort Betriebe in verschiedenen Bereichen aufbauen:
– Landwirtschaft, Gastronomie, Gastgewerbe, Handel, Bildung, IT, Bau
– Heilungsort mit: Ärzten, Therapeuten,…
– Verwaltung
– Kindergarten, Schule, Seminarhaus

Kultur:

Wir wollen den Jahreskreis zelebrieren und aus unseren jeweiligen Wurzeln Feste und andere feierliche Momente einbringen und eine gemeinsame Alltagskultur entwickeln. Konkret heist das: gemeinsam musizieren, tanzen, schweigen, essen, am Lagerfeuer sitzen, trauern, reisen,… Diese wird sich im Detail weiter entfalten, wenn wir vor Ort ankommen.
Wir wollen Räume für individuelle Spiritualität und Religion pflegen. So gibt es von einigen den Wunsch nach einem Haus für spirituelles Leben, in dem unterschiedliche Religionen und spirituelle Praktiken nebeneinander praktizieren können. Diese Begegnung hat Potential, Neues hervorzubringen.

Soziales:

Das Leben in Gemeinschaft ermöglicht es, viele Alltagsbegegnungen zu genießen. Da erfahrungsgemäß immer wieder Spannungen und Konflikte auftauchen, braucht es zeitlich und räumlich begrenzte – geschützte – Räume, in denen die dahinter stehenden „alten“ Glaubenssätze und Projektionen wahrgenommen, reflektiert und gelöst werden. Bisher haben sich Methoden wie achtsames Zuhören, WIR Prozess nach Scott Peck, Forum(-theater), Radikale Therapie bewährt und werden erweitert und ergänzt. Wir entwickeln eine Feedback-Kultur, die es uns ermöglicht, unsere Persönlichkeitsentwicklung und das Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft zu fördern. Dies bedeutet auch, das wir Kindergarten, Schule, Erwachsenenbildung, Altenbetreuung und therapeutisches Arbeiten eng in die Gemeinschaft einbinden, um Entwicklung in allen Altersstufen zu ermöglichen. Dieses generationen überspannende Gemeinschaftsleben führt zu mehr gegenseitiger Unterstützung, gegenseitigem Verstehen, gegenseitigem Lernen und macht das leben reicher und schöner.

 

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*bedürfnisorientierte (Bevor eine Lösungsstrategie entworfen wird, wird genau auf die Bedürfnisse der beteiligten Personen geschaut, so sind Win-Win-Lösungen viel einfacher zu erzielen.)
*konsensuale (Entscheidungen werden angenommen, wenn alle schwerwiegenden Einwände integriert wurden. Dadurch kommt es zu ganzheitlichen Lösungen.)

aktualisiert 1/2017

 

herzensgemeinschaft-wolfen.org
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