Archiv der Kategorie: Erfahrungsbericht

 Unsere Sommergemeinschaft ist nach vielen schönen Abenteuern, stunden am Lagerfeuer, am See, in Workshops, beim Kindertheater, mit einer Open-Stage, gemeinsam kochen, putzen, singen, tanzen, diskutieren, träumen, spazieren, Pilze sammeln und ausruhen zu Ende gegangen.

Schön ist und war es!

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Eindrücke vom Frühlingswochenende Wolfen, März 2017

von Frauke Spangenberg

Achtung, es wird euphorisch. Es ist nun Sonntagabend und ich glühe durch die Erlebnisse unseres „Kennlernwochenendes“ innerlich nach. Eine Umbenennung in „Intensivwochenende“ wäre nicht untertrieben.

Ganz am Anfang des Wochenendes stellten wir uns einzeln die Frage, was an diesem Wochenende passieren müsse, damit wir danach sagen können, dass es „die wirklich beste Entscheidung war, dieses Wochenende in Wolfen verbracht zu haben“.

Mein Wunsch übererfüllte sich zu meiner eigenen Überraschung: in keinem einzigen Moment sehnte ich mich woanders hin, an keinen anderen Ort, zu keinen anderen Menschen. Abgetaucht vom eigenen Gedankenzirkus und voll und ganz eingetaucht in unsere Jetzt-Zeit-Gemeinschaft, öffnen sich meine Sinne genussbringend durch die Perlenkettenbegegnungen. Ja, es fühlte sich im Kopf wie perfekt angetüdelt an, leider manchmal mit Katergefahr durch ein Zuviel. Das muss ich selbst noch besser dosieren lernen.

Toll! Mit vielen teilte ich schnell das Grundgefühl eines fürsorglichen, impulsiven, wertschätzenden und spielerischen Miteinanders. Ich konnte miterleben, wie sich Einzelne mehr und mehr wohlfühlten, lachten, innerlich in Bewegung kamen und füreinander aufmerksam waren. Auch schwergefühlige Stimmen von Aufgewühltheit und Traurigkeit fanden an die Oberfläche. Stimmen, welche die eigentlich noch so frisch zusammengesetzte Runde zu hören und zu tragen vermochte. Ich war punktuell auch „stolz“ (sonst benutze ich dieses Wort nur, um es abzulehnen) auf unsere bisherige Gemeinschaftsarbeit, die das Ereignen dieser Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht hat. Von „Arbeit“ spreche ich, weil es auch enorm anstrengende Momente innerer Ernüchterung, Loslösung, Neuausrichtung und Rückkehr gab, die den Gemeinschaftsprozess bisher auch begleitet haben. Das alles bereitete mir ein kribbelndes Hochgefühl. Jeden und jede Einzelne empfand ich als eine unaustauschbare Bereicherung.

Währendem ich Sonntagnachmittag schon wieder fernab von Wolfen in dem Pfarrersgarten der Kirche meines Chorkonzertes lag und von innen heraus mindestens genauso strahlte wie die Frühlingssonne, dachte ich dankbar daran, dass in Wolfen gerade (ohne mich …) aufgeräumt wird. So beobachtete ich, wie die Ameisen herumzackelten und sich nach einem scheinbar höheren Gesetz aufeinander beziehen. Und plötzlich übertrug sich in meinem Kopf dieses Prinzip auf die Entstehung unserer Herzensgemeinschaft. Ich stellte mir die Menschen dieses Wochenendes vor, wie sie gerade wieder zurück in ihre Leben zackelten. Durch die gewonnenen Erinnerungen werden wir mit Wolfen als Ameisenhaufen in irgendeiner Weise in Beziehung bleiben. Das ist nicht nur eine Drohung, es ist auch ein Versprechen.

Hinweis: Teilweise handelt es sich bei Passagen beinahe um Gedankenzitate Anderer, mit denen ich sehr in Resonanz gegangen bin, sodass sie hier als meine eigenen Worte und Gedanken erscheinen. Dabei bin ich mir sicher, dass viele Passagen „in etwa genau so“ auch von Anderen formuliert worden wären.

 

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Rückblick 2016

Ihr Lieben,
das Jahr 2016 war für uns ein lebendiges, reiches Jahr. Wir haben uns immer wieder gefragt: Wie könnte eine Stadt aussehen, in der menschliche Bedürfnisse im Vordergrund stehen? Wie sieht das Leben einer Gemeinschaft aus, wenn der Alltag sich auf Heilung und Gemeinschaft ausrichtet? Wie will sich unsere Kultur verändern, um – in Herz und Verstand klare – freie Menschen heranwachsen zu lassen?
Diese Fragen treiben uns weiter an, zum einen weil wir mit vielen bestehenden Verhältnissen unzufrieden sind, zum anderen weil wir aus den mannigfaltigen Fähigkeiten und Chancen, die wir in unserer Gesellschaft haben, eine Verantwortung ableiten, diese weiter zu entwickeln – individuell, sozial, ökologisch und ökonomisch. Dieser Prozess ist neben Beruf, Familie und anderen Rollen oft herausfordernd und wird immer wieder zum Grenzgang. Ein Balanceakt zwischen hohen idealistischen Ansprüchen und Realisierbarkeit, zwischen Scheitern und Gelingen.

So hat das letzte Jahr gezeigt, dass dieser Weg funktioniert. Unsere Gruppe wächst kontinuierlich um engagierte Mitglieder an und die Schritte werden immer konkreter. Wir planen an dem Transitiontown Ökodorf am Stadtrand von Wolfen:

Im Januar 2016 habe haben wir das Jahr mit einer Reihe von Infoabenden in Halle, Dresden, Leipzig und Wolfen begonnen. An zwei Kennenlernwochenenden haben wir unter anderem mit einem Dragondreaming-Prozess unsere Gruppe und die Vision weiterentwickelt.

Im Sommer haben wir ein Sommercamp mit mehr als 30 Menschen organisiert, einen gemeinnützigen Verein gegründet, ein Seminar im Studium Generale der HTWK Leipzig gestartet und planen nun eine WG in Wolfen-Nord zu gründen, vielleicht das erste Haus zu kaufen. Verschiedene Mitglieder besuchten Treffen und Programme, um unser Netzwerk auszubauen und weiter zu lernen; wie das GEN-Deutschland-Treffen in Jahnishausen 2016, ein Treffen zur Zukunft der Soziokratie in Deutschland, das CLIPS-Programm in Dänemark, das NGO-Medientraining der Taz Panter Stiftung …

Wir haben begonnen andere Gemeinschaftsgruppen zu finden, die sich unserem Unterfangen anschließen, um weiter die Diversität zu erhöhen und damit bunter und lebendiger werden.

Unterstützen könnt Ihr unser Projekt auf verschiedene Weise:

  • mitmachen
  • Fördermitglied im Verein werden!
  • einzelne Geld-, Sach- und Kompetenz-Spenden
  • Macht unsere Idee weiter bekannt!

Nehmt mit uns Kontakt auf!

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Erfahrungen vom Kennenlern-WE im Oktober 2015

SAMSUNG CSCKennenlernwochenende in Wolfen Nord
Herbstliches Grau, der Bus fährt nahezu menschenleer ins Wohngebiet Wolfen Nord durch den Regen. Wenige erleuchtete Fenster im Plattenbauviertel. Im evangelischen Gemeindezentrum findet sich ein bunter Menschenhaufen zusammen. An einem grossen Tisch treffen sich 15 Personen von 5-67 Jahren. Es wird sich begrüsst, erkannt, man hat schon telefoniert, sieht sich ohnehin jeden Morgen als Mitbewohner oder gehört gar zur Familie. Was alle eint ist der Wunsch nach Gemeinschaft und so kommen wir erstmalig für 3 Tage zusammen.
Nach einem gemeinsamen Abendessen und der Verteilung der Schlafplätze auf den Matratzen in verschiedene Räumen des Christophorus-Hauses beginnt das Wochenende musikalisch verbindend, und wir lauschen auf unseren Matratzen liegend den sphärischen Klängen der Klangschalen einer Leipziger Künstlerin.
Der Samstag beginnt mit Yoga. Nach einem reichhaltigen Frühstück finden wir uns zur ersten der „Arbeitsrunden“ zusammen in der wir uns kennenlernen, unsere Träume, Wünsche und Möglichkeiten verbinden.
In Speed-Dating-Runden stellen wir uns gegenseitig unsere Vorstellungen von Gemeinschaft vor. In einem dem „Dragon Dreaming-Prozess“ angenähertem Vorgehen Blicken wir gemeinsame aus einem fiktiven Zukunftsmoment in 5 Jahren zurück auf getanes und lassen so eine Vision von einem Ökodorf-Lebensgemeinschaft wirklich werden.
Plötzlich stehen zwei Herren im Flur und betrachtend interessiert den Trubel, wollen wissen was es mit dieser Truppe auf sich, von der sie gehört haben sie würden gerne frischen Wind in den Ort bringen, zwei CDU Politiker der Kommunalpolitik stellt sich heraus.
Wolfen war schon immer ein Ort der Veränderung. Ehemals ein kleines Dorf, nach Entdeckung von Braunkohle Ende des 19. Jahrhunderts eine zunehmend wachsende Arbeiterstadt, in der sich 1909 die Film-Firma Agfa ansiedelte und wo 1936 der Farbfilm erfunden wurde. Ähnlich Halle Neustadt entstand in Wolfen Nord eine großangelegte Trabantenstadt, die nun nach der Wende den grössten Bevölkerungsrückgang im Osten zeigt. Von 33.000 Einwohnern (1993) in Wolfen-Nord lebten Ende 2008 nur noch etwas mehr als 11.000 dort.
Zum nachmittäglichen Rundgang durchs Gelände sehen wir leerstehende Plattenbauten neben noch bewohnten, Brachflächen wo schon rückgebaut ist, schauen hinüber über Wiesen zu einem nahegelegenen Wäldchen und durchlaufen den Filmbandpark, den angesichts der Weltausstellung 2000 angelegt wurde und mit seinen Bepflanzungen an den ehemaligen Chemiestandort Wolfen und der Produktion der Filmrollen erinnern soll.
Irgendwie ein Unort, stellen wir fest, der neu bewohnt werden möchte.
Am Abend genießen wir ein von den Kindern während des Tages einstudiertes Tanztheaterstück bevor wir später selbst gemeinsam tanzten.
Und bis zum Sonntag  Mittag haben wir insgesamt 3 wunderbare Tage wie ein kleiner Vorblicke auf womöglich Kommendes, wenn wir gemeinsam leben, kochen, tanzen, lachen, lernen, denken, träumen, sähen und ernten….
Wir können uns nun gut vorstellen und sind gespannt wies wohl sein wird wenn man in 20 Jahren über Wolfen lesen kann, dass dort in der Mitte von Deutschland ein beispielgebendes Projekt Fuss gefasst hat, in dem neues, nachhaltiges Miteinander gelebt wird.

Wäre das nicht toll?

Jule B.

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