Archiv für den Monat: August 2017

Was passiert mit Wolfen-Nord? - Mitteldeutsche Zeitung

Das Bürgerforum fand in der Katholischen Kirche „Edith Stein“ in Wolfen-Nord statt. Foto: Thomas Ruttke – Quelle: http://www.mz-web.de/28151446 ©2017

Von Stefan Schröter 11.8.17 Wolfen:

Wird Wolfen-Nord umgestaltet oder dort einfach nur abgerissen? Bei dieser Einschätzung gibt es unterschiedliche Meinungen. Das ist am Mittwochabend beim Bürgerforum mit dem Verkehrs- und Entwicklungsminister Thomas Webel (CDU) wieder klar geworden.
In der Katholischen Kirche „Edith Stein“ in Wolfen-Nord erklärte Webel, dass ähnliche viel Geld in die Verschönerung des Stadtteils gesteckt werde wie in den Abriss. Er verteidigte die Rückbaumaßnahmen, wie sie in Wolfen-Nord geschehen: „Was sollen die Eigentümer machen, wenn ihre Wohnungen nicht vermietbar sind?“
Damit brach der Landesentwicklungsminister eine Lanze für die Wohnungsunternehmen, die in Wolfen-Nord in den vergangenen Jahren tausende Wohnungen abgerissen haben. 120.000 Wohnungen stehen laut Webel in ganz Sachsen-Anhalt leer. „Wären viele nicht vom Markt genommen worden, dann wäre die Zahl heute doppelt so hoch.“

Hat der Abriss den Bevölkerungsrückgang beschleunigt?

Der Wolfener Jürgen Keil (Die Linke) sieht das anders. „Der Bevölkerungsrückgang ist durch den Abriss beschleunigt worden“, sagt er über den Stadtteil, in dem er wohnt. Er spricht in Wolfen-Nord von einer „Zerstörung“. „Dafür sollten keine Mittel mehr ausgegeben werden. Man vernichtet auch Wohnungen, die erst um die Jahrtausendwende mit Fördermitteln saniert wurden.“
„Niemand reißt gerne Wohnungen ab, die vielleicht erst Ende der 80er Jahre gebaut wurden“, antwortete ihm Thomas Webel. Er zeigte Verständnis für das Vorgehen der Vermieter und der Stadtentwicklungsgesellschaft in Wolfen-Nord, die mit Leerstand zu kämpfen haben: „Deswegen werden wir den Rückbau weiter fördern.“
Der Entwicklungsminister stellte zudem das beschlossene „Aufzugsprogramm“ in Aussicht. Großvermieter sollen also Fördermittel erhalten, um „insbesondere Plattenbauten“ mit Aufzügen zu versehen. Webel: „Das ist ein wichtiges Programm, dadurch wird auch der ein oder andere Wohnblock stehen bleiben, jede Wette.“

Oberbürgermeister Armin Schenk: „Der Abriss hat keine Menschen vertrieben“

Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeister bewertet den Abriss in „Nord“ ebenfalls als Folge und nicht als Ursache des Bevölkerungsrückgangs: „Der Abriss hat keine Menschen vertrieben“, sagte Armin Schenk (CDU) in der Kirche in Wolfen-Nord. „Abriss, Neubau, Aufwertung – alle drei Dinge werden eine Rolle spielen“, sagte der OB über die Zukunft von Wolfen-Nord.
Dabei spielt auch die „Herzensgemeinschaft Wolfen“ eine Rolle. Der Verein plant auf den frei gewordenen Plattenbau-Flächen ein Ökodorf.
Der Geschäftsbereichsleiter für die Stadtentwicklung von Bitterfeld-Wolfen, Stefan Hermann, sprach am Mittwoch die Akteure beim Bürgerforum an, nachdem er sagte: „Der Fokus liegt auf der Neuausrichtung im Wohnkomplex 4.4“ Derartige Ökodorf-Pläne habe es in dieser Dimension in der Stadt bisher nicht gegeben. „Das ist Neuland für uns.“ (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/28151446 ©2017

herzensgemeinschaft-wolfen.org
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