Erfahrungen vom Kennenlern-WE im Oktober 2015

SAMSUNG CSCKennenlernwochenende in Wolfen Nord
Herbstliches Grau, der Bus fährt nahezu menschenleer ins Wohngebiet Wolfen Nord durch den Regen. Wenige erleuchtete Fenster im Plattenbauviertel. Im evangelischen Gemeindezentrum findet sich ein bunter Menschenhaufen zusammen. An einem grossen Tisch treffen sich 15 Personen von 5-67 Jahren. Es wird sich begrüsst, erkannt, man hat schon telefoniert, sieht sich ohnehin jeden Morgen als Mitbewohner oder gehört gar zur Familie. Was alle eint ist der Wunsch nach Gemeinschaft und so kommen wir erstmalig für 3 Tage zusammen.
Nach einem gemeinsamen Abendessen und der Verteilung der Schlafplätze auf den Matratzen in verschiedene Räumen des Christophorus-Hauses beginnt das Wochenende musikalisch verbindend, und wir lauschen auf unseren Matratzen liegend den sphärischen Klängen der Klangschalen einer Leipziger Künstlerin.
Der Samstag beginnt mit Yoga. Nach einem reichhaltigen Frühstück finden wir uns zur ersten der „Arbeitsrunden“ zusammen in der wir uns kennenlernen, unsere Träume, Wünsche und Möglichkeiten verbinden.
In Speed-Dating-Runden stellen wir uns gegenseitig unsere Vorstellungen von Gemeinschaft vor. In einem dem „Dragon Dreaming-Prozess“ angenähertem Vorgehen Blicken wir gemeinsame aus einem fiktiven Zukunftsmoment in 5 Jahren zurück auf getanes und lassen so eine Vision von einem Ökodorf-Lebensgemeinschaft wirklich werden.
Plötzlich stehen zwei Herren im Flur und betrachtend interessiert den Trubel, wollen wissen was es mit dieser Truppe auf sich, von der sie gehört haben sie würden gerne frischen Wind in den Ort bringen, zwei CDU Politiker der Kommunalpolitik stellt sich heraus.
Wolfen war schon immer ein Ort der Veränderung. Ehemals ein kleines Dorf, nach Entdeckung von Braunkohle Ende des 19. Jahrhunderts eine zunehmend wachsende Arbeiterstadt, in der sich 1909 die Film-Firma Agfa ansiedelte und wo 1936 der Farbfilm erfunden wurde. Ähnlich Halle Neustadt entstand in Wolfen Nord eine großangelegte Trabantenstadt, die nun nach der Wende den grössten Bevölkerungsrückgang im Osten zeigt. Von 33.000 Einwohnern (1993) in Wolfen-Nord lebten Ende 2008 nur noch etwas mehr als 11.000 dort.
Zum nachmittäglichen Rundgang durchs Gelände sehen wir leerstehende Plattenbauten neben noch bewohnten, Brachflächen wo schon rückgebaut ist, schauen hinüber über Wiesen zu einem nahegelegenen Wäldchen und durchlaufen den Filmbandpark, den angesichts der Weltausstellung 2000 angelegt wurde und mit seinen Bepflanzungen an den ehemaligen Chemiestandort Wolfen und der Produktion der Filmrollen erinnern soll.
Irgendwie ein Unort, stellen wir fest, der neu bewohnt werden möchte.
Am Abend genießen wir ein von den Kindern während des Tages einstudiertes Tanztheaterstück bevor wir später selbst gemeinsam tanzten.
Und bis zum Sonntag  Mittag haben wir insgesamt 3 wunderbare Tage wie ein kleiner Vorblicke auf womöglich Kommendes, wenn wir gemeinsam leben, kochen, tanzen, lachen, lernen, denken, träumen, sähen und ernten….
Wir können uns nun gut vorstellen und sind gespannt wies wohl sein wird wenn man in 20 Jahren über Wolfen lesen kann, dass dort in der Mitte von Deutschland ein beispielgebendes Projekt Fuss gefasst hat, in dem neues, nachhaltiges Miteinander gelebt wird.

Wäre das nicht toll?

Jule B.

herzensgemeinschaft-wolfen.org
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